Wer vor Gericht oder bei einer Behörde nicht verstanden wird, kann seine Rechte nicht wahrnehmen. Für viele Menschen, die Arabisch sprechen, ist deshalb ein guter Dolmetscher keine Nebensache, sondern Voraussetzung für ein faires Verfahren. Auch für Anwälte und Ämter lohnt sich eine sorgfältige Vorbereitung.

Arabisch ist nicht gleich Arabisch

Die arabische Sprache gliedert sich in das Hocharabische und viele regionale Dialekte. Das Hocharabische wird in Schrift, Nachrichten und offiziellen Texten verwendet. Im Alltag sprechen die Menschen jedoch ägyptisch, levantinisch, irakisch, golfarabisch oder maghrebinisch, und diese Dialekte unterscheiden sich stark.

Klären Sie vor dem Termin, welchen Dialekt die Person spricht. Ein Dolmetscher aus Marokko versteht einen Gast aus dem Irak nicht in jedem Detail.

Rollen im Verfahren

Dolmetscher übertragen mündlich, Übersetzer arbeiten schriftlich. Beide müssen unparteiisch sein. Sie dürfen weder beraten noch Meinungen äußern oder Aussagen abschwächen. Alles Gesagte wird vollständig wiedergegeben, auch Fragen, Zwischenrufe und unangenehme Passagen.

Die gesetzliche Grundlage für das Hinzuziehen von Dolmetschern in Gerichtsverfahren findet sich im Gerichtsverfassungsgesetz, das regelt, wann ein Dolmetscher zuzuziehen ist, wenn Beteiligte der deutschen Sprache nicht mächtig sind.

Vorbereitung auf den Termin

Eine kurze Besprechung vor Beginn erhöht die Qualität spürbar. Teilen Sie dem Dolmetscher das Thema, die Beteiligten und besondere Begriffe mit. Falls Unterlagen im Mittelpunkt stehen, senden Sie diese vorab.

Vereinbaren Sie Regeln: kurze Sätze, direkte Ansprache der Person statt des Dolmetschers, Pausen zum Übertragen. So bleibt die Verhandlung verständlich und die Aussagen werden nicht verfälscht.

Fachbegriffe und Rechtssprache

Rechtsbegriffe haben in verschiedenen Rechtsordnungen unterschiedliche Bedeutungen. Ein deutscher Begriff wie »Vollmacht« oder »Aufenthaltstitel« hat im arabischen Recht nicht immer eine genaue Entsprechung. Gute Dolmetscher erklären den Unterschied, anstatt einen ungefähren Ausdruck zu wählen.

Legen Sie ein kleines Glossar an, wenn Verfahren oft ähnliche Begriffe enthalten, etwa im Familien-, Arbeits- oder Aufenthaltsrecht.

Schriftliche Unterlagen nicht vergessen

Urkunden, Bescheide und Vollmachten müssen häufig schriftlich übersetzt werden. Wer Dokumente vom Deutschen ins Arabische oder umgekehrt bringt, braucht qualifizierte Fachleute für Arabisch Übersetzung, die Schriftbild, Schreibrichtung und Eigennamen korrekt behandeln.

Namen sind besonders heikel. Arabische Namen werden in lateinischer Schrift unterschiedlich geschrieben. Verwenden Sie die Schreibweise aus dem Reisepass und halten Sie sie in allen Dokumenten einheitlich.

Dolmetschen am Telefon

Nicht immer ist ein Dolmetscher vor Ort verfügbar. Bei kurzen Terminen, Notfällen oder seltenen Dialekten bietet sich die Telefon- oder Videoverdolmetschung an. Unser Beitrag zum Telefondolmetscher beschreibt, wann sich diese Form eignet und worauf bei der Technik zu achten ist.

Vertraulichkeit und Ethik

Dolmetscher unterliegen der Verschwiegenheit. Sie dürfen nichts weitergeben, was sie bei der Arbeit erfahren. Prüfen Sie, ob Ihr Anbieter dies schriftlich zusichert, und weisen Sie bei Videoterminen darauf hin, wer anwesend ist.

Auch persönliche Nähe ist ein Risiko. Dolmetscher, die die Beteiligten kennen, sollten den Auftrag ablehnen, wenn Zweifel an ihrer Unabhängigkeit bestehen.

Kulturelle Feinheiten

Höflichkeitsformen, Blickkontakt und Körperhaltung unterscheiden sich zwischen den Kulturen. Manche Menschen antworten ausweichend, wenn sie Autoritäten gegenübersitzen, oder nicken, ohne verstanden zu haben. Fragen wie »Was haben Sie verstanden?« helfen, Missverständnisse zu klären.

Planen Sie mehr Zeit ein als bei einem Termin ohne Dolmetscher. Gedolmetschte Gespräche dauern deutlich länger, und Hektik führt zu Fehlern.

Auswahl des Anbieters

Achten Sie auf Qualifikationen, Erfahrung im jeweiligen Fachgebiet und klare Abläufe bei kurzfristigen Anfragen. Fragen Sie nach Referenzen und danach, ob der Anbieter mehrere arabische Dialekte abdecken kann.

Kurze Probeaufträge oder Gespräche vorab zeigen, ob Anbieter und Arbeitsweise zu Ihren Anforderungen passen.

Zeitplanung und Kosten

Gerichtstermine verschieben sich oft, und ein kurzfristig abgesagter Dolmetscher bedeutet Verzögerungen. Klären Sie deshalb früh, wie Stornierungen, Wartezeiten und Anfahrtswege abgerechnet werden. Für längere Verhandlungstage sind Pausen und eine zweite Person sinnvoll, weil Dolmetschen sehr anstrengend ist und die Genauigkeit nach einigen Stunden nachlässt.

Rechnen Sie außerdem mit Vorbereitungszeit. Wer Akten, Schriftsätze oder Gutachten vorab erhält, kann sich einarbeiten und liefert ein präziseres Ergebnis. Diese Stunden sind gut investiert, weil sie Rückfragen im Saal vermeiden.

Aussprache, Namen und Zahlen

Namen, Orte und Zahlen sind die häufigsten Fehlerquellen. Lassen Sie Eigennamen buchstabieren und notieren Sie die Schreibweise sichtbar für alle. Bei Beträgen und Daten empfiehlt sich die Wiederholung in beiden Sprachen, damit nichts durch ein Missverständnis im Protokoll landet.

Nach dem Termin

Fragen Sie den Dolmetscher, ob etwas unklar blieb. Oft bemerken Dolmetscher Zeichen von Unsicherheit, die anderen entgehen. Fassen Sie wichtige Ergebnisse schriftlich zusammen und stellen Sie sie in beiden Sprachen bereit.

Bei Folgeterminen lohnt es sich, denselben Dolmetscher zu buchen. Er kennt den Fall, die Begriffe und die Beteiligten und arbeitet dadurch schneller.

Häufige Fehler vermeiden

Der erste Fehler ist, Angehörige als Dolmetscher einzusetzen. Der zweite ist, den Dialekt nicht zu klären. Der dritte ist, Unterlagen erst am Tag des Termins zu schicken. Alle drei lassen sich mit wenig Aufwand vermeiden und sparen oft Wiederholungstermine.

Fazit

Gutes Dolmetschen zwischen Deutsch und Arabisch beginnt mit der Wahl des richtigen Dialekts und endet mit einer sauberen Nachbereitung. Wer früh bucht, Unterlagen bereitstellt und auf Fachwissen achtet, schafft die Grundlage für faire Verfahren und klare Entscheidungen.